Aktuelles

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Unter der Leitung der Geschäftsstelle der ats-tms AG haben curafutura, FMH und MTK in mehr als drei Jahren den neuen ambulanten Arzttarif TARDOC erarbeitet. Im Ergebnis liegt eine verhandelte, vollständig aktualisierte, sachgerechte und betriebswirtschaftlich berechnete Einzelleistungsstruktur vor. Der Tarif wurde in den Monaten Mai bis Juli 2019 von der Ärztekammer der FMH, vom Vorstand von curafutura und von der MTK angenommen.  Der Verwaltungsrat der ats-tms AG hat ihn am 11. Juni 2019 verabschiedet.

Am 12. Juli reichten curafutura und FMH den neuen Arzttarif gemeinsam dem Bundesrat zur Genehmigung ein. Die Vertragspartner gehen davon aus, dass der Bundesrat gemäss Bericht zur Anfrage Darbellay auch zu einem Tarif Stellung nimmt, der von einer namhaften Minderheit eingegeben wurde (vgl. Kriterien für die Repräsentativität bei der Unterzeichnung von Tarifverträgen im Gesundheitswesen; Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 11.4018 Darbellay Christophe vom 30. September 2011). Anstatt auf dem Genehmigungsweg wird der Tarif dann per Verordnung in Kraft gesetzt. Es ist zu erwarten, dass der Bundesrat noch verschiedene Anpassungen am Tarif vornimmt, bis er voraussichtlich am 1.1.2021 in Kraft gesetzt wird.

Was ist neu am TARDOC?

Der neue Arzttarif lehnt sich im Aufbau über grosse Strecken am TARMED an. Im Rahmen der Neutarifierung konnte aber die gesamte Leistungsstruktur mit der FMH und den ärztlichen Fachgesellschaften, mit Spitalvertretern und Versicherern in mehreren Durchläufen aktualisiert, die medizinischen Interpretationen angepasst und zahlreiche alte Unklarheiten beseitigt werden. Diverse Kapitel wie Angiologie, Gastrologie, Pathologie, Schmerztherapie, Radioonkologie wurden komplett neu strukturiert. Zudem wurde ein neues Kapitel speziell für die Hausarzt-Medizin eingefügt.  „Alleinige Leistungen“, wie sie im TARMED vorkommen, gibt es im neuen Tarif nicht mehr. Leistungen dieses Typs führen in der Praxis oft dazu, dass eine Patientin/ein Patient aus abrechnungstechnischen Gründen zweimal an verschiedenen Tagen aufgeboten wird.

Bei den Abrechnungsregeln fällt vor allem die 20-Minuten-Limitierung der Konsultation auf: Die enge Limitierung lässt sich damit begründen, dass im neuen Tarif mit der Konsultation nur die Kernleistung der Konsultation abbildet wird – alle fachspezifischen Leistungen werden ergänzend zur Konsultation mit spezifischen Beratungs- und Behandlungsleistungen abgegolten. Auch die „Leistungen in Abwesenheit“ erfahren grössere Veränderungen: Die Aufgliederung der Leistungspositionen verändert sich zwar nur unwesentlich, die Positionen werden aber in zwei Gruppen zusammengefasst, welche ihrerseits im somatischen Bereich auf 30 respektive 75 Minuten pro 90 Tage und im psychiatrischen Bereich total auf 240 Minuten pro 90 Tage limitiert sind.

Der Weg zum neuen Tarif

Nachdem curafutura und FMH gemeinsam den Tarif dem Bundesrat eingereicht haben, wird der Bundesrat (resp. das BAG) den Tarif eingehend prüfen. Er wird sich diverse Details von den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle ats-tms erklären lassen und die Auswirkungen des neuen Tarifs simulieren.

Weil er als Folge der „Minderheits-Eingabe“ den Tarif nicht einfach genehmigen, sondern verordnen muss, wir er eine Vernehmlassung durchzuführen, bei der er alle interessierten und legitimierten Organisationen zur Stellungnahme eingeladen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Befragung sehr kontroverse Reaktionen provozieren wird: Insbesondere Organisationen aus dem Gesundheitswesen, welche sich nicht an der Tarifierung beteiligt haben, werden den Tarif aus ihren partikulären Interessen beurteilen und Veränderungen gegenüber dem Status Quo bemängeln. Wer sich vom neuen Tarif Vorteile errechnet, wird dies wohl kaum an die grosse Glocke hängen.

Bei einem Tarifwerk wie dem TARDOC, mit dem allein gegenüber den Krankenversicherern ambulante Arztrechnungen im Umfang von 14,5 Milliarden Franken jährlich abgerechnet werden, muss mit einem Zeitaufwand von mindestens einem Jahr gerechnet werden, bis das Ergebnis bekannt ist. Es ist also zu erwarten, dass der Tarif frühestens am 1.1.2021 in Kraft tritt – bei unerwarteten Verzögerungen gar erst am 1.1.2022.

 Wie können sich die Benutzer des Tarifs vorbereiten?

Die Geschäftsstelle der ats-tms AG stellt folgende Instrumente zur Verfügung:

  • Einen dreisprachigen, öffentlich zugänglichen Tarifkatalog im Internet.
  • Ein Simulationstool, das allen Mitgliedern der ats-tms-Gesellschafter zugänglich ist und mit dem anhand der bisherigen Leistungsmengen die mutmasslichen Erträge bei Einsatz des neuen Tarifs berechnet werden können.
  • Eine Hotline, bei der telefonische Auskünfte direkt bei der Geschäftsstelle eingeholt werden können.
  • Nach Verordnung durch den Bundesrat den vollständigen Tarif als Datenbank-Version. Diese ist allen Interessenten zugänglich.

 Wie sieht der „Beitritt“ zum neuen Tarif aus?

Die Gesellschafter der ats-tms AG haben einen Grundvertrag unterzeichnet, mit dem sie die Gültigkeit des Tarifs per Einführungsdatum besiegeln. Der Vertrag gilt automatisch für alle Leistungserbringer und Versicherer, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Vertrages bereits der jeweiligen Vertragspartei (FMH respektive curafutura) angehören, wenn sie nicht ausdrücklich den schriftlicher Austritt aus dem Vertrag erklären. Alle Leistungserbringer und Versicherer, welche bei Inkrafttreten nicht einer der zwei Vertragsparteien angehören, können dem Vertrag durch schriftliche Erklärung beigetreten.

Die Zugehörigkeit des Tarifs bedeutet, dass die Bedingungen des Tarifs anerkannt werden, d.h. insbesondere, dass:

  • Die Leistungserbringer sich für die Abrechnung dem Dignitätskonzept unterziehen (Link Dignitätskonzept)
  • Die Leistungserbringer die Bedingungen der Spartenanerkennung erfüllen (Link Spartenkonzept).